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The days are just packed

26. März 2010

Ein perfekter Tag hätte mindestens 30 Stunden. Dann bliebe genug Zeit für die schönen Dinge des Lebens und ausreichend Schlaf. Aufstehen, das Nötigste erledigen, arbeiten, einkaufen, Sport und noch einmal das Nötigste will untergebracht werden. Luxus wäre mehr Zeit für Freunde, ausgiebig kochen und essen, mal wieder ein Buch lesen. Aber Tage haben nunmal nur 24 Stunden und meine Tage sind grundsätzlich zu voll gepackt. Doch ab jetzt geht es bergauf. Schließlich bin ich solarbetrieben und meine Endorphinproduktion läuft auf Hochtouren.

Was fehlt

18. März 2010

Ein Fortschrittsbalken wäre in vielerlei Hinsicht sicher wünschenswert. Dieses Sind-wir-bald-da-Gefühl kennt doch wohl jeder noch. Wenn man also beispielsweise eine endlos rote Ampelphase erwischt hat oder an einer Supermarktkassenschlange wartet, in der sich gar nichts tut, oder aber in einer „All lines are busy“/Panflötenweichgespülte-Hits-der-90er-Schleife am Telefon festhängt, wäre da nicht selbst der unansehnlichste langweiligste Fortschrittsbalken eine Wohltat?

Noch dringender bräuchte ich momentan aber ein Vorschaufenster.
In Fenster 1 erschien mein Leben, wenn ich den Weg der Loyalität, der Sicherheit und der Stabilität wählte. Es wäre das Leben, das ich zu kennen glaube. Auch wenn ich weiß, dass Unvorhergesehenes unter dünnen Stellen des Alltags nur darauf wartet durchzubrechen, um uns kleine Wichte mit hämischer Freude aus der Bahn zu werfen.
Fenster 2 zeigte mir den Weg des Aufbruchs, des Risikos, des Zaubers von Erinnerungen, die in die Zukunft zurückdrängen. Ich könnte sehen, ob die Entscheidung, ein neues Kapitel aufzuschlagen richtig wäre, oder ob meine Zweifel eine Daseinsberechtigung hätten.

Ich habe ein Jobangebot bekommen. Dieses Angebot war getarnt als Abendessen mit einer ehemaligen Kollegin. Wir treffen uns dann und wann, je nachdem wie unsere Zeit es zulässt. Ihr Anruf und die Frage, wann es denn mal wieder passen würde, waren also nicht ungewöhnlich. Deshalb traf mich die kurz vor Eintreffen ihres Desserts gestellte Frage, ob ich nicht Lust hätte, unserer gemeinsamen Zeit ein Revival zu gönnen, gänzlich unvorbereitet.
Wir haben drei Jahre lang sehr eng zusammengearbeitet, drei Jahre, in denen wir Freunde wurden. Unfassbar war seinerzeit ihre Eröffnung, dass sie kündigen würde. Das ist jetzt bald vier Jahre her. Mein Job gefällt mir trotzdem.

Seit sie ihr Parfait aß, ist da dieser Strudel aus Einzelempfindungen. Ja, nein, vielleicht, besser nicht, oder doch? Auf Euphorie folgt Zweifel, der vom Gefühl des Geschmeicheltseins abgelöst wird, dessen böser Zwillingsbruder wiederum des Nachts plötzlich als „Aber was wenn…?“-Gefühl für Schlaflosigkeit sorgt. Dann öffne ich ein Fenster, aber da ist keine Vorschau. Und die einströmende kalte Luft sorgt auch nicht für einen klaren Kopf. Engelchen und Teufelchen kämpfen miteinander, jeder auf seiner Seite meines Gehirns. Kopf gegen Bauch, klare Linien gegen das Chaos. Ich bin zu rational für einen solchen Umbruch. Aber der Reiz ist groß.

„Lass dir Zeit mit der Entscheidung. Ich will dich nicht unter Druck setzen,“ sagte sie. Ob sie sich jetzt einen Fortschrittsbalken wünscht?

Durchatmen

13. März 2010

Nach Hause kommen und der Duft von Frischgebackenem liegt in der Luft, verdrängt den allgegenwärtigen Schleier aus Krankenhausimpressionen. Tief einatmen und ankommen.

Fragmente des Glücks

1. März 2010

Reden, ohne jedes Wort erst lange abzuwägen. Lachen, ohne Sinn und Verstand. Schweigen, ohne dass es auch nur den Bruchteil einer Sekunde lang unangenehm ist. Nähe genießen, ohne das Gefühl zu haben, ausbrechen zu müssen. Anlehnen, ohne darüber zu grübeln, was der nächste Schritt sein müsste. Fallen lassen, ohne die Angst vor dem Aufprall. Genießen, einfach nur genießen, ohne einen Gedanken an morgen. – Vereinte Fragmente des Glücks.

The Comfort of Truth?

26. Februar 2010

Ich habe schon vor ein, zwei Jahren darüber nachgedacht zu bloggen. Irgendetwas kam aber immer dazwischen. Häufig fehlte es an Zeit, Mut, den üblichen Dingen eben. Die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten abgewägt habe ich mich vor ein paar Wochen endlich durchgerungen. Ich weiß schon jetzt nicht mehr, was ich mir vorstellte, wie es sein würde, mein Blog. Aber ich habe das Gefühl, dass es etwas anderes geworden ist, als ich erwartet hatte. Das Wesentliche scheint in den Nebensätzen zu stecken oder zwischen den Zeilen. Auf Beiläufigkeiten folgen Dialog und Feedback. Und Fragen. Fragen, auf die Selbstreflexion folgt.

Wie zerbrechlich bist du?
Wie mutig bist du?
Worin manifestiert sich dein Glück?
Gibt es jemanden, nach dem du dich verzehrst?

Damit muss man als nichts ahnender Mensch erst mal klarkommen.

Liebe – eine nicht nachvollziehbare Theorie?

22. Februar 2010

Ich habe Anja getroffen. Meine erste große Liebe. Ich war 18, sie 17. Das mit uns hielt zwei Jahre und ein bisschen. Dann war da dieser Anruf und danach Betroffenheit. Meine Welt war nicht mehr dieselbe und ihre war es noch. Das konnte ich nicht. Wir sahen uns nur noch ein paar mal. Und heute. Seit fast 15 Jahren zum ersten Mal. Und wieder Betroffenheit. Sie konnte es nicht kaschieren.

Ich habe mich gefreut, sie zu sehen. Die Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit fühlten sich gut an. Ich erinnerte mich an ihr Lachen, das damals alles für mich war. Sie lachte nicht. Woran sie dachte, weiß ich nicht. Sie wollte weg, traute sich aber nicht. Höflichkeit siegte. Wortwechsel folgten. Ein Mann, zwei Kinder, aha, allein. Es geht dir gut? Ungläubigkeit.

War Liebe je mehr als eine nicht nachvollziehbare Theorie? Und wenn ja, wann soll das gewesen sein?

Ich dachte an Mic, die zweite, die bis zu meinem Herzen durchdrang. Und daran, wie es endete. Ich erkannte ein System: Auf Systemabsturz folgt Neustart. Und den kann ich nur allein. Um zu mir zu finden, kann ich niemanden neben mir gebrauchen, der Zweisamkeit sucht. Meine Liebe ist exklusiv, Bestimmten vorbehalten, findet auf einer anderen Ebene statt, möchte niemanden belasten, kann nicht einfach nur Danke sagen und akzeptieren, nicht auf der Ebene von Zweisamkeit. Ich trage viel Liebe in mir. Und ich brauche Liebe, genau wie körperliche Nähe, Sex, aber eben zu meinen Konditionen. Wenn ich erst nach einem Grund zu lieben suchen muss, ist es das nicht wert. Dann trenne ich meine Bedürfnisse lieber voneinander. Das ist die Praxis. Meine Praxis.

„Es dringt nichts durch zu dir!“ An ihre Worte zum Ende der zwei Jahre und ein bisschen kann ich mich noch erinnern. – Und heute? Wann war Liebe je mehr als eine nicht nachvollziehbare Theorie? Für mich? Für sie? Es drang durch zu mir. Ich bin glücklich. Ich bin allein aber nicht einsam. Und sie? Betroffen. „Es dringt nichts durch zu dir. Macht dich das glücklich?“ dachte ich. Dann hörte ich mich diese Worte plötzlich sagen. Sie lachte nicht.

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17. Februar 2010

In Aufzügen herrscht ja grundsätzlich das Bestreben, nichts außer der Wand anzustarren. Auf zwei bis drei Quadratmetern wäre ein länger als eine tausendstel Sekunde andauernder Blickkontakt vermutlich by far zu intim. Wenn ein Blick da womöglich mal von einem Lächeln begleitet wird, ist das an Außergewöhnlichkeit kaum noch zu überbieten.

Ein Mittwoch im Februar, 9:54 Uhr auf dem Weg von der Tiefgarage in die 7. Etage eines modernen Bürogebäudes und plötzlich geht gar nichts mehr. Der Aufzug steht und Unerwartetes führt zu etwas Besonderem. Aus der Reserve gelockt treffen sich zwei Menschen in unsicherer Situation; aus zwei sich treffenden Blicken wird ein Lächeln, dem im Laufe der nächsten halben Stunde noch viele weitere folgen.

Ja, eine halbe Stunde dauerte die Befreiung aus der Zwangslage. Von Zwängen hatten wir uns aber wesentlich schneller befreit. Bleibt die Frage, weshalb man sich im Alltag lieber im Hintergrund bewegt, unverbindlich, konstellationslos. Weshalb macht man es sich lieber mit sich selbst gemütlich, wenn man doch eigentlich das Lächeln einer netten Person geschenkt bekommen oder selbst eines verschenken könnte? Einmal aus der Höhle herausgewagt, warten womöglich Verwicklungen oder gar Verpflichtungen auf uns, die wir nicht gewillt sind einzugehen. Lebt es sich in der sozialen Dunstglocke wirklich besser?

Die Antwort auf diese Frage lautet an diesem Mittwoch im Februar um 10:27 Uhr „nein“, denn auf das Lächeln folgte ein nettes Gespräch, der Austausch von Visitenkarten und eine Verabredung zum Mittagessen am Freitag.

Okay, sicher werde ich Menschen in Aufzügen künftig nicht nach ihren Namen und Plänen zur Nahrungsaufnahme befragen, aber der Gedanke daran wird zumindest zu einem Lächeln führen.